Stooszyt

Eine kurze Geschichte der Luzerner Badekultur

Wenn es nicht gerade stürmt und auf uns niederprasselt, gibt es doch nichts Schöneres, als an einem sonnigen Sommertag in den See zu springen. Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, wurde in der Vergangenheit auch schon mit zwei Wochen Zuchthaus bestraft. Einen Einblick in die bewegte Geschichte der Luzerner Badekultur bekommst du im vollen Beitrag.

Zwischen Strandbad und Schandbad

Im 19. Jahrhundert glich der Vierwaldstättersee vielerorts einem Abwasserbecken. Abfälle und menschliche Ausscheidungsprodukte landeten tagtäglich im See. Das hinderte aber viele Menschen nicht daran, die Abkühlung im Wasser zu suchen. Generell war es nicht die beste Zeit für Fans von Körperhygiene. 1815 störte sich ein Luzerner Pfarrer am unsittlichen Treiben an den Seeufern. Das Baden wurde innerhalb der Stadt Luzern verboten. Aber auch andernorts wurde es nur an Werktagen und ab vier Uhr nachmittags gestattet. Bei wiederholtem Verstoß drohte sogar ein Aufenthalt im Zuchthaus. 1827 öffnete die erste Luzerner Badi am heutigen Standort des Verkehrshauses ihre Tore. Gebadet wurde geschlechtergetrennt, mit Holzbalken wurden die Badezonen im See markiert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden entlang des heutigen Spitteler-Quais weitere Badeeinrichtungen. Die Touristinnen, welche in Hotels wie dem National oder dem Palace übernachteten, bildeten die Zielkundinnenschaft. 1919 wurde das Strandbad in Weggis eröffnet. Im Volksmund wurde es aber immer wieder als Schandbad bezeichnet. Der Grund: Die Trennung zwischen Mann und Frau fiel aus. Das erste offene Strandbad der Schweiz war geboren. Ein paar Jahre darauf entstand das Lido. Aus Gestein aus der Bohrung des Sonnenbergtunnels wurde 1976 auch die Ufschötti errichtet. Badekultur gehört mittlerweile zum Schweizer Alltag und wurde vom Bundesrat sogar zum immateriellen Kulturerbe erkoren.



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