Krass Politic

Von Teepflückerinnen und Schweizer Kolonialvergangenheit

Kürzung der Entwicklungszusammenarbeit

Der Bund muss sparen und die mitte bis rechts Parteien übertrumpfen sich gegenseitig mit Sparvorschlägen. Wem das hilft kannst du in unserer Sendung vom 19.08.2024 nachhören. Gespart werden soll auch bei der Entwicklungshilfe. Momentan gibt die Schweiz 0.6% ihres Bruttoinlandprodukts für Entwicklungszusammenarbeit aus. Besonders wegen den Konflikten im Nahen Osten und der Ukraine sind diese Ausgaben so hoch wie noch nie. 313 Millionen Franken sollen genau da eingespart werden.

Wieso Entwicklungszusammenarbeit

Bis heute herrscht zwischen den Ländern des Globalen Nordens und des Globalen Südens eine starke Ungleichheit. Das Ziel der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit ist die «Linderung von Not und Armut in der Welt» und bezieht sich insbesondere auf den Süden. Dies hat vor allem historische Gründe: Während der Kolonialzeit und teilweise bis heute beuteten die Europäischen Mächte ihre Kolonien massiv aus. Durch die Unterdrückung der Lokalbevölkerung und der Abhängigkeit zu den Metropolen London, Amsterdam oder Paris konnten viele Kolonien im Süden wirtschaftlich nie zum Globalen Norden aufschliessen. Oft wurde die Wirtschaft vom einzelnen Rohstoffe beschränkt, die sich bei einem Ausfall oder internationalen Preisschwankungen schnell zu einer Wirtschaftskrise entwickelt. Wirr gezogene Grenzen auf Karten der Europäer führen seit Anbeginn zu ethnischen Konflikten und Bürgerkriegen.  

Die Schweiz im Kolonialismus

Auch wenn die Schweiz keine eigenen Kolonien besass, hat sie immens vom kolonialen System profitiert. Sei es durch die direkte Beteiligung von Schweizer Firmen am Sklavenhandel oder Schweizer Kaufleute, die ihren Reichtum durch den Besitz von Plantagen mit Sklav:innen erwarben.  Auch indirekt profitierte die Schweiz von neuen Absatzmärkten in den Kolonien und dem imperial dominierten Welthandel. Ohne koloniale Ausbeutung gäbe es weder Schweizer Schokolade noch unseren Wohlstand.

Dass rassistische Stereotypen und die Vorstellung einer Europäischen Überlegenheit auch in der Schweiz präsent waren, zeigt das Beispiel der Völkerschauen. An der Genfer Landesausstellung, im Basel Zoo aber auch in Luzern im Circus Knie wurden Menschen aus dem Globalen Süden, teils neben Tieren, zur Schau gestellt. Diese Völkerschauen waren von Rassismus und Sexismus geprägt. Die Menschen mussten oft primitive Stereotypen spielen, die Ihnen selbst fremd waren. Wieviele von ihnen freiwillig hier waren bleibt unklar. Die letzte Völkerschau in der Schweiz fand erst im Jahr 1964 statt.

Die Teepflücker:innen in Sri Lanka

Rund eine halbe Million Arbeiter:innen - grossmehrheitlich Frauen - pflücken Tee auf den Plantagen in Sri Lanka. Sie sind Nachkommen der Arbeiter:innen, die in den 1820er-Jahren von den britischen Kolonialherren aus Indien geholt und in sklavenartigen Verhältnissen ausgebeutet wurden. Bis heute leben und arbeiten sie unter äusserst prekären Bedingungen. Seit 2019 besteht ein vertragsloser Zustand. So erhalten die Arbeiter:innen wenn sie das Tagessoll nicht erfüllen nur einen halben Tageslohn. Die Gewerkschaft Ceylon Workers Red Flag Union hat mit Unterstützung der Schweizer NGO Solifonds ein Arbeiter:innentribunal organisiert, um Druck auf die Regierung und die Unternehmen auszuüben. 

Die Richter:innen waren von den Zuständen auf den Teeplantagen schockiert und wirklich auch emotional berührt. Sie haben in ihrem Urteil viele Empfehlungen an die sri-lankische Regierung abgegeben wie sie die Situation der Teepflücker*innen verbessern können.


Mehr dazu haben uns Aurora García und Nicola Caduff vom Solifonds im Rahmen des Reclaim Democracy Kongresses in Zürich erzählt. Das ganze Interview findest du hier:

Weitere Informationen zum Workers Tribunal der Teearbeiter:innen in Sri Lanka vom Solifonds und die dazugehörige Petition findest du unter:

www.teaworkers.ch/

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